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Giesserei Behr - Ein Familienunternehmen mit Tradition

Christian Gustav Adolf Behr gründete das Unternehmen, als Drechslerei, am 1. Juli 1839.

Als im 19. Jahrhundert französische Hutmacher nach Berlin kamen, wurden in der Drechslerei auch Hutformen hergestellt.
1877 starb Christian Gustav Adolf Behr und die Söhne Hugo und Philipp übernahmen die Firma.

1888 wurde mit dem Guss von Hutformen aus Eisen begonnen. Im Februar 1902 verstarb Hugo Behr. Mit seinem Sohn Hermann Behr, übernahm die Dritte Generation den Betrieb.

Einen Höhepunkt erlebte der Betrieb zu seinem 100. Geburtstag am 1. Juli 1939.

Trotz der ungeheuren Kriegszerstörungen in Berlin waren Betriebs- und Wohngebäude einigermaßen davongekommen. Kleinere Schäden konnten mit den eigenen Arbeitskräften wieder instand gesetzt werden, so dass bereits im Juli 1945 13 t Grauguss hergestellt wurden.

Unser Betrieb war damit die erste Gießerei in Berlin, die wieder arbeitete. Ersatzteile für die Fahrzeuge der russischen Besatzungsmacht bildeten die ersten Aufträge.

Eine betriebliche Erschütterung bildete die faktische Betriebsenteignung am 5. September 1952.
Offiziell dargestellt als „Maßnahme zum Schutz der Mark der Deutschen Notenbank“ wurden an diesem Tage fast alle Betriebe, deren Eigentümer in Westberlin wohnten, enteignet. Den Eigentümern wurde der Zugang zu ihren Firmen untersagt und diese unter die Verwaltung des Magistrates von Groß-Berlin gestellt.

1954 erhielte Hermann Behr eine Mitteilung, dass der Zeitpunkt für einen Rückgabeantrag günstig sei. Gebunden an eine Rückgabe war ein ständiger Wohnsitz in Ostberlin. Somit fiel der Übergang zur 4. Generation an Klaus Behr. Durch den erfolgten Wohnsitzwechsel konnten zügig die Vertragsverhandlungen mit dem Magistrat von Groß-Berlin aufgenommen werden und die Rückgabe des Betriebes erfolgte zum 1. Oktober 1954. In einer landesweiten Verstaatlichung von privaten Firmen wurde jedoch 1972 auch unser Betrieb wiederum enteignet. Damit endete nach 135 Jahren in der 4. Generation der Familie Behr die Leitung des Betriebes.

Doch dann trat 1989 eine Situation ein, die keiner mehr für möglich gehalten hatte: Die Wende!

Mit dem Fall der Mauer und der damit verbundenen Hoffnung, das „sozialistische Wirtschaftssystem“ überstanden zu haben, wurde durch Klaus Behr am 31. Januar 1990 der Rückgabeantrag der Firma beim Magistrat von Ost-Berlin gestellt. Durch den Erlass eines Gesetzes am 7. 3. 1990, das die Reprivatisierung der 1972 verstaatlichten Betriebe regelt, konnte der VEB Eisengießerei Berlin am 1. 6. 1990 in die alte und neue Firma H. & PH. Behr Eisengießerei umgewandelt werden.

Im September 1990 begann mit Markus Behr und im Januar 1991 mit Johannes Behr die fünfte Generation in der Firmenleitung.
Bedingt durch die hohen Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, die Wohngebietslage der Firma, sowie die maroden Gebäude, wurde die Eisengussproduktion zum 30. Juni 1999 eingestellt.
Auf Grund der vielen Vorteile vom Aluminiumguss wurde der Entschluss gefasst, die Produktion entsprechend umzustellen.
Wir erwarben am 12. Dezember 1998 die bestehende Berliner Aluminiumgießerei Metallguss Schulz in Berlin Johannisthal.

2001 wurde die Produktion, der auch traditionsreichen Gießerei Schwidder, in Berlin-Köpenick, übernommen. Durch den hier vorrangig gefertigten Schilderguss ergab sich erstmalig für uns die Möglichkeit, auch Schwermetalle zu vergießen.

2003 kauften wir unseren heutigen Standort in der Grenzgrabenstraße in Berlin-Hohenschönhausen.

2004 wurde mit den Umbauarbeiten begonnen und bis zum Jahresende konnten unsere Betriebsteile Berlin – Weißensee, Johannisthal und Köpenick hierher verlagert werden.

Uns stehen hier ausreichend große Produktionsflächen zur Verfügung und Arbeiten, die auf Grund von Umfang, Größe und Gewicht zuvor nicht realisierbar waren, können nun umgesetzt werden.

Am 19. Februar 2015 verstarb plötzlich und unerwartet Johannes Behr. Er begann vor 25 Jahren in der Eisengießerei, übernahm den Vertrieb und baute die Produktion des Stadtmobiliars aus. Unseren heutigen Produktionsstandort haben wir ihm zu verdanken und durch seine Initiative haben wir Käufer für unser altes Firmengrundstück in der Friesickstraße gefunden, die die Gebäude saniert haben und heute eine Kunstgiesserei betreiben.